Zurück zum Meister

Mit der Änderung der Handwerksordnung 2004 hat der Bundestag für 53 Berufe die Meisterpflicht abgeschafft. Bis zu diesem Zeitpunkt brauchten Handwerker diese Qualifikation, um sich mit einem Betrieb selbstständig zu machen. Die Änderung gilt beispielsweise für Fliesenleger, Uhrmacher und Feinoptiker. Ziel waren mehr Wettbewerb und Unternehmensgründungen. Heute, fast 13 Jahre später, sind die Entwicklungen durch die Deregulierung dramatisch. Das lässt sich vor allem am Beispiel der Fliesenleger festmachen. Laut des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) stieg die Zahl der Betriebe in diesem Gewerk zwar bundesweit auf rund 70.000 an, aber zum großen Teil setzen sich diese Betriebe aus Ich-AGs zusammen. Obwohl die Zahl der Betriebe seit 2004 so stark wächst, werden deutschlandweit trotzdem um ein Drittel weniger Lehrlinge ausgebildet. Die Zahl der Meisterschüler ging seit 2004 sogar um 80 Prozent zurück.

Eine weitere Deregulierung ist bereits in Planung. Im Januar dieses Jahres legte die Europäische Kommission das sogenannte Dienstleistungspaket vor. Dieses Paket könnte den Handwerkern das Leben noch schwerer machen. Die Kommission hat ein Analyseraster entwickelt, an dem jede Berufszugangsbeschränkung geprüft werden soll. Das heißt, dass sich jeder Beruf in Deutschland diesem Test unterziehen muss, um auf europäischer Ebene herauszufinden, inwiefern Qualifikationen für bestimmte Berufe notwendig sind. Tritt das Dienstleistungspaket in Kraft, ist eine Wiedereinführung der Meisterpflicht in Deutschland kaum noch zu rechtfertigen. Die Folgen würden dann noch dramatischer ausfallen als ohnehin schon: Fachkräftemangel und eine drohende Jugendarbeitslosigkeit.

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